Wege zur Qualität Wegleitung Herausfordernde Verhaltensweisen

Wege zur Qualität · Wegleitung Herausfordernde Verhaltensweisen

Grundlagentext «Professionelle Haltung»

Ein Text für die Grundlagenarbeit im Team, mit Thesen zur Diskussion. Er führt zusammen, was die Fachliteratur und Wege zur Qualität über die Haltung sagen, die ein Team gegenüber herausforderndem Verhalten braucht.

Kapitel1 Wenn die Beziehung unter Druck gerätArtGrundlagentextGrundlageLeitlinien HEVE, Kap. 1.3 und 3.1; Zambrino, Büschi & Calabrese 2020; Fischer 2023, Feld 1, 9 und 12; Herrmannstorfer 1999

Der Text

Herausforderndes Verhalten ist keine Eigenschaft eines Menschen. Es entsteht in der Wechselwirkung zwischen ihm und seiner Umwelt, und seine Umwelt sind in einer Institution zuerst die Menschen, die ihn begleiten. Das Verhalten ist doppelt herausfordernd. Es ist Ausdruck einer inneren Notlage der Person, und es fordert alle, die mit ihr zu tun haben. Wer das Verhalten als Eigenschaft versteht, die sich nicht beeinflussen lässt, verstärkt es. Wer ihm mit Angst, Wut oder Gleichgültigkeit begegnet, ebenso. Die Haltung der Begleitenden ist deshalb kein Beiwerk. Sie ist ein Teil der Situation, die sie verstehen wollen.

Die Fachliteratur verlangt darum eine gemeinsame professionelle Haltung im Team, gestützt auf das Leitbild der Einrichtung. Dazu gehört, die Entwicklungs- und Lernfähigkeit jedes Menschen anzuerkennen, sein Verhalten in der Wechselwirkung zu sehen und das eigene Handeln laufend zu reflektieren.

Wege zur Qualität sagt, warum diese Haltung nicht den Einzelnen überlassen werden kann. Die Arbeit am Menschen ist Beziehungsdienstleistung. Ihr Verlauf lässt sich nicht vorherbestimmen, ihre Wirkung hängt vom Gegenüber ab, und Krisen gehören zu ihr wie zu jeder Entwicklung. Wer sie als Versagen wertet, missachtet die Entwicklung des Menschen. Die Individualisierung dieser Leistung muss von der ganzen Gemeinschaft aus ermöglicht werden. Die Persönlichkeit der Mitarbeitenden ist dabei ihr Werkzeug, und dieses Werkzeug braucht Pflege, durch Selbstreflexion und innere Arbeit, die nicht neben der Aufgabe geschieht, sondern in ihr. Das Interesse am anderen Menschen ist die Grundhaltung, aus der Zusammenarbeit und Beziehung entstehen. Wo es verloren geht, bringt es keine Regel zurück. Zurück bringen es die Orte, an denen das Team über den Menschen spricht statt über den Vorfall.

Thesen zur Diskussion

  1. Das Verhalten eines Bewohners sagt mehr über seine Situation als über ihn.
  2. Unsere Haltung ist Teil dieser Situation. Wenn wir sie ändern, ändert sich das Verhalten mit.
  3. Der Satz «er ist hier nicht am richtigen Platz» ist ein Satz über uns.
  4. Gelassenheit lässt sich nicht verlangen. Sie lässt sich erarbeiten, und zwar gemeinsam.

Verwendung im Grundlagengespräch

Der Text wird vor dem Gespräch gelesen. Im Gespräch geht das Team die Thesen einzeln durch und fragt zu jeder, was daran stimmt, was daran nicht stimmt und woran man das in der eigenen Praxis erkennt. Zum Schluss hält das Team fest, welche Konsequenz es zieht, wer sie umsetzt und wann darauf zurückgeschaut wird. Ablauf, Rollen und die drei Richtungen des Gesprächs beschreibt das Hilfsmittel «Das Grundlagengespräch».

→ Hilfsmittel: Das Grundlagengespräch

Quelle

Leitlinien HEVE 2023, Kapitel 1.3 und 3.1. Zambrino, Büschi und Calabrese 2020 zu den Einstellungen der Begleitpersonen. Fischer 2023, Felder 1, 9 und 12. Herrmannstorfer 1999 zur Beziehungsdienstleistung. Zur Herleitung siehe Kapitel 1.