Wege zur Qualität · Wegleitung Herausfordernde Verhaltensweisen
Das Grundlagengespräch
Das Gespräch, in dem ein Team die Grundlagen seiner Arbeit an einer Frage aus der Praxis vertieft. Bei Wege zur Qualität ist es der Ort, an dem Haltung entsteht und erneuert wird. Dieses Blatt beschreibt, wie es abläuft und worauf es dabei ankommt. Die Grundlagentexte dieser Website und das Betreuungsgespräch sind Anwendungen davon.
Wozu
Das Arbeitshandbuch von Wege zur Qualität sagt, dass die Qualität der Leistungen einer Institution von zwei Dingen bestimmt wird. Das eine ist die Intensität, mit der die wesentlichen Grundlagen der Arbeit erkenntnismässig bearbeitet werden. Das andere ist die Handlungs- und Entscheidungssicherheit der Mitarbeitenden bei der Ausübung ihrer Verantwortung. Das zweite entsteht aus dem ersten. Wird die Grundlagenarbeit vernachlässigt, verflacht der Impuls der Einrichtung, die Formen werden inhaltsleer, und die Arbeit wird nur noch organisiert.
Für den Umgang mit herausforderndem Verhalten heisst das, dass ein Team seine Sicherheit nicht aus Vorschriften gewinnt, sondern aus dem gemeinsamen Verständnis dessen, was es tut und warum.
Wann
Regelmässig, als fester Anteil der Teamsitzung oder der Konferenz, nicht erst in der Krise. Und besonders dann, wenn eine Frage aus der Praxis das Team beschäftigt, etwa die Haltung gegenüber einem Bewohner, die Frage nach Nähe und Distanz oder die Frage, was das Leitbild in einer bestimmten Situation bedeutet.
Wer
Das Team, unter Einbezug derer, die die Frage betrifft. Das können Mitarbeitende anderer Bereiche sein, die Leitung, Angehörige, in geeigneter Form auch die betreuten Menschen. Eine Person leitet das Gespräch, eine andere hält die Ergebnisse fest. Wer vorbereitete Beiträge liefert, wird vorher bestimmt.
Wie
Vorbereitung. Das Team klärt die Ausgangsfrage, bevor es sich trifft. Drei Fragen helfen dabei. Was gibt uns Anlass, dieses Thema zu vertiefen. Welchen Bezug hat es zu dem, was uns gerade beschäftigt. Ist allen der Bezug zum Leitbild und zu unseren Konzepten klar. Dazu wird festgelegt, wie sich die Teilnehmenden vorbereiten, ob neben dem Leitbild ein weiterer Text hinzugezogen wird, etwa einer der Grundlagentexte dieser Website, und wie eigene Erfahrungen eingebracht werden.
Gespräch. Die Gesprächsleitung führt in das Thema ein oder lässt einen vorbereiteten Beitrag halten, oder man liest gemeinsam einen kurzen Grundlagentext zum Thema. Dann wird die Ausgangsfrage in drei Richtungen bearbeitet, die die Leitfragen unten nennen. Der zeitliche Rahmen ist vorher bestimmt, je nach Gegebenheit.
Ergebnissicherung. Die Gesprächsleitung fasst am Schluss zusammen. Das Team hält fest, was es erkannt hat, und vereinbart, ob und wann es an das Gespräch anknüpft.
Nachbereitung. Das Team fragt, wo es Bewusstsein gebildet hat und ob sich daraus Konsequenzen für die Praxis ergeben. Grundsätzlich wird das Gespräch aber nicht Handlungsorientiert geführt, sondern es soll Verständnis und Haltung bilden. Wenn sich trotzdem praktische Auswirkungen ergeben, werden Massnahmen festgelegt, mit Verantwortlichkeit und Frist, und es wird vereinbart, wie ihre Umsetzung überprüft wird.
Leitfragen, die drei Richtungen
Sozialer Zusammenhang, die Betroffenen und Beteiligten. Welche Gesichtspunkte haben unsere Partner zu dieser Frage. Das sind Bedürfnisse, Empfindungen, Bestrebungen und Interessen der betreuten Menschen, der Angehörigen, der Kolleginnen aus anderen Bereichen, der Leitung, der Behörden. Ihre Gesichtspunkte können erfragt werden, oder sie bringen sie selbst ein.
Zeitlicher Zusammenhang, Vergangenheit und Zukunft. Wie wurde diese Frage in unserer Praxis früher beantwortet. Was haben wir dabei gelernt. Welche Entwicklungen kommen auf uns zu, und was folgt daraus.
Ideeller Zusammenhang, Grundlagen und Werte. Welche Richtung geben uns Leitbild, Konzepte und Grundwerte für diese Frage. Welche vertiefenden Gesichtspunkte ergeben sich aus ihnen. Was sagt unser Menschenbild zu dem, was wir erleben.
Worauf achten
Alle sind aktiv beteiligt, und an den Beiträgen der Einzelnen wird angeknüpft. Unterschiedliche Sichtweisen werden bemerkt und anerkannt, nicht zugedeckt. Das verlangt Gesprächskompetenz. Zuhören, ausreden lassen, den eigenen Beitrag einbringen.
Das Gespräch bleibt am Thema und zugleich an der gelebten Praxis. Der Begründungszusammenhang zum Leitbild soll lebendig werden und nicht bloss genannt. Und die drei Richtungen gehören zusammen. Ein Gespräch, das nur den ideellen Zusammenhang bearbeitet, bleibt in der Vorstellung hängen. Eines, das nur den sozialen bearbeitet, bleibt beim Austausch von Meinungen.
Die Erkenntnisse des Gesprächs werden in Beziehung gesetzt zu den beobachteten Wirkungen des Handelns. Daraus ergeben sich die Themen der nächsten Grundlagenarbeit. Das Gespräch ist kein Abschluss, sondern ein Schritt.
Das Grundlagengespräch ist kein Betreuungsgespräch und keine Fallbesprechung. Es klärt die Grundlagen, aus denen heraus gehandelt wird, nicht die Massnahmen für einen einzelnen Fall. Wo es um einen bestimmten Menschen geht, gibt das Betreuungsgespräch die Form.
Quelle
Stiftung Wege zur Qualität 2023, Gesichtspunkte zur Grundlegungsarbeit, Arbeitsmaterial für Schulungszwecke. Das Zitat zur Qualität der Leistungen stammt aus dem Arbeitshandbuch. Zur Herleitung siehe Kapitel 1 und 2.