Wege zur Qualität · Wegleitung Herausfordernde Verhaltensweisen
Einen Fall delegieren
Wie ein Team die Führung eines Falls einer Person überträgt, ohne dass sie damit allein bleibt. Das Blatt folgt der Dynamischen Delegation von Wege zur Qualität, angewendet auf die Begleitung eines Menschen, dessen Verhalten das Team herausfordert.
Wozu
Die Fachliteratur verlangt für das Fallverstehen eine fallführende Fachperson, die den Prozess kooperativ gestaltet. Wege zur Qualität beschreibt, wie ein Team dazu kommt, und warum das nötig ist. In Teams mit flacher Hierarchie versuchen zu viele, das Problem zu lösen, jeder hält seine Lösung für die richtige, und die Beteiligten behindern einander. Die Delegation löst diese Spannung auf, ohne in eines der beiden Extreme zu fallen, dass entweder alles von allen besprochen wird oder dass eine Person tut, was sie für richtig hält. Sie überträgt Verantwortung und Entscheidungsbefugnis an eine Person oder eine kleine Gruppe, mit dem Zutrauen des Teams, und sie holt die Verantwortung nach einer vereinbarten Zeit wieder zurück.
Wann
Wenn ein Bewohner das ganze Team beschäftigt und die Meinungen auseinandergehen. Wenn ein Begleitkonzept erarbeitet oder überarbeitet werden soll. Wenn Abklärungen zu veranlassen und Fachpersonen von aussen beizuziehen sind, und niemand weiss, wer das tut.
Wer
Das ganze Team delegiert, denn die Verantwortung für den Fall liegt vorher bei allen. Delegiert wird an eine Person oder an zwei, die die Führung übernehmen. Das Arbeitshandbuch nennt die Bedingungen. Der Delegation liegt ein klares Bild der Aufgabe zugrunde und ein klares Bild der Kompetenz der Person. Bestehen Lücken, werden sie ausgeglichen, durch Begleitung oder Fortbildung, und bei zu grosser Unsicherheit wählt man lieber zwei Personen als eine. Die Leitung ist an der Delegation beteiligt, weil sie die Mittel dafür bereitstellen muss.
Wie, in sieben Schritten
1. Wahrnehmen. Das Team stellt fest, dass sich etwas verändert hat, und klärt, ob die Sache in seine Aufgabe gehört und ob es sie angehen will. Es entsteht ein möglichst vollständiges Bild der aktuellen Situation als Ausgangslage.
2. Gemeinsam klären und verstehen. Das Team bespricht, was die Situation für den betreuten Menschen, für die Beteiligten und für die Einrichtung bedeutet, und bestimmt gemeinsam die Ziele. Was soll sich für ihn verändern, und woran würde man das erkennen.
3. Delegieren. Das Team überträgt einer Person oder zweien die Führung des Falls. Es klärt, welche Entscheidungen sie allein treffen dürfen und welche zurück ins Team gehören, welche Zeit sie dafür bekommen und bis wann die Delegation gilt. Und es spricht aus, dass es ihnen die Lösung zutraut.
4. Entscheiden. Die fallführende Person holt die Sichten zusammen, bezieht den betreuten Menschen, die beteiligten Fachpersonen, die Leitung und die Angehörigen ein, veranlasst Abklärungen, holt Fachberatung und erarbeitet das Begleitkonzept. Sie entscheidet und sorgt für Transparenz. Bei offenen Fragen geht sie zurück ins Team.
5. Umsetzen. Das Begleitkonzept wird angewendet. Die fallführende Person kann Teile davon an andere weitergeben, die Hauptverantwortung bleibt bei ihr.
6. Rückblick und Rechenschaft. Nach der vereinbarten Zeit blickt das Team gemeinsam zurück. Was war die Absicht, was wurde getan, was hat es bewirkt, was folgt daraus. Kritik ist erwünscht. Danach legt die fallführende Person Rechenschaft ab, was die Aufgabe für sie bedeutet hat, und der Bericht wird ohne Bewertung entgegengenommen. Liegt eine Rückmeldung des betreuten Menschen vor, gehört sie hierher.
7. Entlasten. Das Team entlastet die fallführende Person und nimmt die Verantwortung für den Fall wieder auf sich. Es dankt für die Arbeit. Dann entscheidet es, ob und an wen es die Führung neu delegiert.
Worauf achten
Der dritte Schritt entscheidet. Eine Delegation ohne klare Befugnis, ohne Zeit und ohne ausgesprochenes Zutrauen ist keine Delegation, sondern ein Abschieben. Die fallführende Person muss wissen, was sie darf, und das Team muss es auch wissen.
Die Delegation ist befristet, auch wenn eine Verlängerung von Anfang an wahrscheinlich ist. Die Frist zwingt zum Rückblick und gibt die Gelegenheit, aufgrund der Erfahrung neu zu entscheiden.
Der siebte Schritt wird am häufigsten vergessen. Wer einen Fall gut geführt hat, bleibt sonst über Monate darauf sitzen, und das lähmt ihn und alle, die sehen, was eine Delegation nach sich zieht. Die Entlastung ist ein ausdrücklicher Akt des Teams, kein stilles Auslaufen.
Delegieren heisst nicht, dass das Team den Fall abgibt. Es bleibt mitverantwortlich, es trägt die Entscheidungen der fallführenden Person mit, und es holt sich die Verantwortung im siebten Schritt zurück.
Die fachliche Führung des Falls, das Fallverstehen und die Erarbeitung des Begleitkonzepts, beschreiben die Leitlinien HEVE. Dieses Blatt beschreibt, wie das Team die Verantwortung dafür verteilt.
Quelle
Fischer 2023, die sieben Schritte der Dynamischen Delegation und die Prozessstufen. Arbeitshandbuch Wege zur Qualität, Formen der Regelung, Abschnitt zur Zuständigkeit einer einzelnen Person. Leitlinien HEVE 2023, Kapitel 4.4 zur fallführenden Fachperson. Zur Herleitung siehe Kapitel 2.